Wie nationalsozialistisch ist die Eugenik?
Tagung im Rahmen des NFP 51 Forschungsprojektes „Eugenik und Verwaltung im Kanton Basel-Stadt, 1880-1960“.
Prof. Dr. Regina Wecker (Historisches Seminar der Universität Basel), Dr. Bernhard Küchenhoff (Psychiatrische Universitätsklinik Zürich), Sabine Braunschweig, Gabriela Imboden, Hans-Jakob Ritter (Historisches Seminar Basel)
Allgemeines
- Datum: 17. und 18. Februar 2006
- Ort: Basel, Mission 21, Missionstrasse 21
- Anmeldung: bis 30.1. (E-Mail, siehe auch Kontakt)
Zielsetzung
Mit dem Titel regen wir an, einen komparativen Blick auf die Eugenik in unterschiedlichen politischen Systemen, unterschiedlichen Milieus und disziplinären Settings zu lenken. Eugenische Vorstellungen und Massnahmen werden immer noch meist im Hinblick auf die Radikalisierung der deutschen Rassenhygiene im nationalsozialistischen Deutschland beurteilt. Die unterschiedliche Ausprägung eugenischer Vorstellungen und Massnahmen in demokratischen Staaten sind in ihrer historischen Dimension, aber auch in ihrer Bedeutung für gegenwärtige Entwicklungen, wenig berücksichtigt worden. Der Blickwechsel weg von der nationalsozialistischen hin zur Eugenik in demokratischen Ländern hat jedoch ebenso Konsequenzen für die Bewertung eugenischer Diskurse und Praktiken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie für die Beurteilung der Modernisierungsprozesse selbst. Zeigt sich nämlich die Eugenik als biopolitisches Projekt der bürgerlichen Moderne und vereinbar mit modernen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, dann beruht das Projekt der Moderne zumindest auch auf deterministischen Vererbungskonzepten, Rassismus, Antifeminismus und Zwang.Somit stellen sich erstens Fragen nach der zeitgenössischen Rezeption und Bewertung der Eugenik im nationalsozialistischen Deutschland: Stellte diese gegenüber den Postulaten der internationalen Bewegung für Rassenhygiene der 1920er Jahre eine Radikalisierung dar? Wurden in den demokratischen Staaten in den 1930er Jahren eugenische Konzepte in Abgrenzung oder in Anpassung an die Entwicklung in NS-Deutschland formuliert? Zweitens stellen sich Fragen nach der Entwicklung der Eugenik in demokratischen Staaten: Welche Bedeutung kam eugenischen Argumentationen bei der Etablierung wohlfahrtsstaatlicher Einrichtungen, oder aber im Hinblick auf die Durchsetzung einer modernen Geburten-, Bevölkerungs- und Sexualpolitik zu? Und schliesslich kann drittens im Vergleich zwischen der Eugenik in demokratischen Ländern und nationalsozialistischer Eugenik die Diskussion zu Kontinuität oder Diskontinuität eugenischer Vorstellungen nach 1945 neu geführt werden.
